23 Mai 2005

Internationaler Orgelfrühling 2005

Internationaler Orgelfrühling 2005

Freie Presse Chemnitz vom 23.05.2005
Beitrag: Reinhold Lindner

Die Orgel digital und klassisch - Alle Effekte eines Instruments
Stille Bewunderung für hochgradig virtuose Spielkunst: Ein Wochenende mit dem Organisten Matthias Eisenberg in Lichtenstein und Chemnitz

Matthias Eisenberg in voller Fahrt: Der Organist musste am Samstag von Ort zu Ort eilen und kam doch nicht ganz pünktlich von Chemnitz nach Lichtenstein. Hier am Abend im Daetz- Centrum die spektakuläre Vorführung einer Digitalorgel, dort am Spätnachmittag ein Konzert mit dem Sächsischen Sinfonieorchester Chemnitz im großen Saal der Stadthalle. Beide Male lange Beifallsbekundungen, der Zeitplan für Konzerte lässt sich eben nicht mit Digitaltechnik fixieren.
Aus dem Auto heraus auf die Orgelbank und dann augenblicklich das rasant bewegte Pedalsolo der E-Dur-Toccata von Johann Ludwig Krebs - das kommt einer sportiven Höchstleistung nahe. Den ganzen Abend über blieb in Lichtenstein die stille Bewunderung der Zuhörer - in gewissem Sinne auch Zuschauer - für Eisenbergs Vitalität beim Orgelspiel. Das ungewöhnliche Instrument - zumindest in unseren Gefilden, die überreich gesegnet sind mit historischen und neuzeitlichen traditionellen Orgeln - inspirierte den Organisten tatsächlich zu Programm und Spielweise, die einer regelrechten Vorführung der Digitalorgel glichen. Nach Auskunft von Johannes Roßner, dem Chef der Sächsischen Orgelakademie, wurde das Instrument voriges Jahr erworben, um an vielen Orten ungebunden Konzerte bieten zu können und damit den Kreis der Anhänger der Orgelkunst zu erweitern. Das sei eines der wesentlichsten Anliegen der Akademie. Und man kann wahrscheinlich kaum einen Partner finden, der bereitwilliger darauf eingeht als Matthias Eisenberg, der ohnehin für alles Neue zu haben ist und mit seiner hochgradig virtuosen Spielkunst auch alle Effekte eines Instruments zur Geltung bringen kann. „Ich habe mich mit dieser Orgel sehr schnell angefreundet, sie lässt sich sehr gut spielen", bekannte er und plauderte mit den Gästen des Abends im Daetz-Centrum, als sei nichts gewesen.
Dabei hatte er noch wenige Minuten vorher bis zur Ekstase eine freie Improvisationsfolge nach dem Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud" aufgebaut, die ganz zum Schluss fast alle Registerstimmen und auch das Menü der Spielhilfen einbezog. Das Foyer des Daetz-Centrums rauschte wie ein mächtiger Dom...
Die Digitalorgel wurde von der niederländischen Firma Johannus gebaut. Die rein digitale Sounderzeugung imitiert alle bisher bekannten Registerstimmen der Kirchenorgel und auch alle Spieleffekte, so dass sie traditionell einem kathedralen Instrument vergleichbar ist, allerdings alle Stilarten des Klangs vereint, vom Barock bis zur Moderne. Auf vier Manualen und dem Pedal sind 68 Register verfügbar - unbegrenzte Möglichkeiten technischer Perfektion. Und Eisenberg ließ es sich nicht nehmen, sie weitestgehend auszuschöpfen. Er wählte ein Standardprogramm von Bach und dessen hochgeschätztem Schüler Krebs, Mendelssohn Bartholdy und dem mit dem mächtig aufbrausenden Choral a-Moll des Franzosen Cesar Franck, schließlich diese Orgelimprovisation im eigenen Stil des Organisten. 
In der Stadthalle spielte Eisenberg im sehr gut besuchten großen Saal mit dem Sächsischen Sinfonieorchester Chemnitz das Orgelkonzert Nr. 1 F-Dur von Joachim Rheinberger und den Orgelpart in Charles Gounods „Cäcilienmesse". Hier gesellten sich der Universitätschor und Mitglieder der Singakademie Chemnitz? sowie des Philharmonischen Chores Hachioji, Japan, dazu, die Solopartien übernahmen Swetlana Katchour (Sopran), Eric Stokloßa (Tenor) und Egbert Junghanns (Bass). Da war nun für Eisenberg die Situation ganz anders als in Lichtenstein, er bewährte sich als Partner des Ensemblespiels, musste sich einordnen, hatte aber mit der Konzertorgel des Hauses, die Anfang der achtziger Jahre von der Dresdner Firma Jehmlich gebaut worden war, ebenfalls ein recht imposant disponiertes Instrument zur Verfügung. Aber die Füße mussten hurtig wechseln vom Orgel- zum Gaspedal und die Hände von den Manualen ans Lenkrad: ab nach Lichtentein, wo die Digitalorgel schon initialisiert war.

Foto: Rolf Winkler

Viele Möglichkeiten uns zu erreichen.
    • Die Veranstaltungen werden gefördert von der Sparkasse Chemnitz

      gefördert vom Landkreis Zwickau und den Kirchgemeinden der Veranstaltungsorte

    • Adresse

      Postanschrift:
      Badergasse 17
      09350 Lichtenstein

       

      Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

      Folgen Sie uns